Ein zentraler Bestandteil agiler Führung ist die konsequente Einbeziehung des Teams in Entscheidungsprozesse sowie die Ermächtigung zur selbstorganisierten Arbeit. Eines der wichtigsten Führungsinstrumente in diesem Kontext ist die Delegation. Delegation Poker wurde erstmals Ende 2010 auf einer Agile-Konferenz gespielt und seither weiterentwickelt, unter anderem von Jurgen Appelo, dem Autor von Management 3.0 und einem Vordenker innovativer Arbeitsweisen.
Zielgruppe: Führungsteam, Teamleiter und Mitarbeiter auf allen Ebenen

Anwendungsgebiet
Delegation Poker ist ein Kartenspiel, das in weniger als zwei Stunden einen offenen und wertschätzenden Dialog zwischen Vorgesetzten und Mitarbeitern über Führungsstile und Mitarbeiterkompetenzen fördert. Es unterstützt eine konstruktive Diskussion über Verantwortlichkeiten und Entscheidungsbefugnisse, was zu einvernehmlichen und umsetzungsorientierten Entscheidungen führt.

Ablauf
Vorbereitung
Jeder Spieler erhält vor dem Spiel einen Satz mit Karten, die von 1-7 durchnummeriert sind. Jede Nummer bedeutet eine unterschiedliche Ebene der Delegation.
- 1 = Verkünden: Die Führungskraft teilt dem Team lediglich die Entscheidung mit.
- 2 = Verkaufen: Die Führungskraft entscheidet, versucht aber das Team von der Richtigkeit der Entscheidung zu überzeugen.
- 3 = Befragen: Die Führungskraft holt sich vor ihrer Entscheidung Rat.
- 4 = Einigen: Das Team und die Führungskraft versuchen gemeinsam einen Konsens zu finden.
- 5 = Beraten: Die Führungskraft berät das Team, das Team entscheidet.
- 6 = Erkundigen: Team entscheidet selber, die Führungskraft fragt nur noch nach dem Ergebnis
- 7 = Delegieren: Team entscheidet komplett autonom.
Das Team überlegt sich vor Beginn des Spiels teamrelevante Szenarien bzw. anfallende Aufgaben, in denen Entscheidungen getroffen werden müssen, wie beispielsweise die Einstellung neuer Teammitglieder oder anderer Themen. Alle zu besprechenden Themen sind in einer Liste im sogenannten für jeden sichtbar eingetragen.
Tipp: Meine Empfehlung ist es, eine Liste als Delegation Board nicht nur kurz vor Beginn des Spiels in den Fokus zu setzen, sondern durch Bereitstellung der Information an einem zentralen Ort Transparenz zu schaffen und dem Team die Möglichkeit zu geben, jederzeit einen Eintrag zu machen. So kann auch spontan ein Delegation Poker einberufen werden, wenn die Liste zu voll geworden ist bzw. ein akuter Handlungsbedarf auf Basis der bereits bestehenden Vereinbarungen vorhanden ist.

Durchführung
Ziel ist es, gemeinsam Zeile für Zeile die in der Spielvorbereitung erstellte Liste durch zu gehen, indem bei jeder Aufgabe das Team und der Vorgesetzte verdeckt eine Karte von 1-7 legen. Die Zahl drückt dabei die persönliche Auffassung darüber aus, ob diese Aufgabe eher vom Vorgesetzten einseitig angewiesen werden sollte (1) bis hin, ob ohne Rücksprache in Mitarbeiterhand liegt (7).

Tipp: Es können auch die Regeln angepasst werden, beispielsweise den höchsten oder niedrigsten Wert zu missachten, wenn es nur von einem Teammitglied gelegt wurde.
Ergebnis
Entscheidend bei diesem Spiel ist nicht das perfekte Ergebnis, sondern vor allem die Tatsache, dass ein Dialog in Gang gesetzt wird mit dem Ziel einen wertschätzenden Austausch, bei dem alle miteinander lernen und gemeinsam Übereinkünfte treffen können, zu schaffen. Eine gute Basis für eine gute Zusammenarbeit und Selbstorganisation von Teams.
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