Sitzordnung gemeinsam finden mit verteilten Informationen
Startseite » Kommunikationsspiel fürs Team: Was Crazy Gathering zeigt

Kommunikationsspiel fürs Team: Was Crazy Gathering zeigt

Dieses kooperative Teamspiel habe ich während meiner Weiterbildung in Playful Facilitation kennengelernt. Auf den ersten Blick geht es um eine Sitzordnung. Beim Spielen wurde mir schnell klar: Dieses Kommunikationsspiel fürs Team berührt eine Frage, die mir in Teams, Projekten und Workshops ständig begegnet – wie entsteht ein gemeinsames Verständnis, wenn jede Person nur einen Teil des Bildes kennt und eigene Ziele verfolgt?

Dieses Spiel habe ich zur 9. Agile Game Night mitgebracht. In diesem Beitrag geht allerdings nicht um den Ablauf, sondern um das, was du als Spielender aus dem Spiel mitnehmen kannst.

Crazy Gathering

Crazy Gathering: ein kooperatives Kommunikationsspiel fürs Team

Crazy Gathering ist ein kooperatives Kommunikationsspiel. Alle bekommen eine Rollenkarte mit Vorgaben, die die anderen nicht kennen. Gemeinsam sollt ihr eine Sitzordnung finden, die möglichst viele dieser Anforderungen erfüllt. Was du von deiner Karte preisgibst – und wann –, entscheidest du selbst. Am Ende wird geprüft, wie gut eure Lösung zu den einzelnen Vorgaben passt. Mehr zum Spiel findest du bei Playful Insights.

Wenn nicht alle dasselbe wollen – was ein Kommunikationsspiel über Zusammenarbeit im Team zeigt

1. Niemand hat das ganze Bild

Im Spiel ist es offensichtlich: Jede Person sitzt auf Informationen, die den anderen fehlen. Im Arbeitsalltag ist das genauso, nur fällt es uns dort seltener auf. Wir gehen oft stillschweigend davon aus, dass die anderen wissen, was wir wissen, oder dass sie die Lage ähnlich einschätzen wie wir.

Das Spiel macht diese Lücke sichtbar. Und es zeigt, wie viel davon abhängt, ob wir sie aktiv schließen: durch Nachfragen, durch Teilen, durch das Zusammentragen von Puzzleteilen.

2. Gute Argumente reichen nicht

Es liegt nahe, die eigene Vorgabe möglichst überzeugend zu vertreten. Nur bringt das die Gruppe kaum weiter. Weiter kommt man, wenn man versteht, was hinter den Wünschen der anderen steckt – also nicht nur die Position hört, sondern nach dem Interesse dahinter fragt.

Für mich war das eine schöne Erinnerung daran, dass Zuhören und Nachfragen oft wirksamer sind als das beste Argument.

3. Jede neue Information verändert das Bild

Eine Lösung, die gerade noch gut aussah, kann mit der nächsten Information kippen. Das kann frustrieren – und ist gleichzeitig sehr realistisch. Wer sich zu früh auf eine Lösung festlegt, verteidigt sie später gegen bessere Erkenntnisse.

Hier sehe ich eine direkte Verbindung zum agilen Arbeiten: in kleinen Schritten vorgehen, Zwischenstände überprüfen, anpassen. Eine Lösung ist ein Arbeitsstand, kein Endergebnis.

4. Offenheit ist eine Entscheidung

Im Spiel entscheidet jede Person selbst, was sie wann offenlegt. Das spiegelt eine echte Spannung wider: Nicht alles lässt sich sofort sagen, manches will man erst einordnen, und manchmal fehlt (noch) das Vertrauen.

Spannend fand ich, wie sich die Bereitschaft zu teilen im Lauf des Spiels verändert. Wenn die Gruppe merkt, dass Informationen gut aufgenommen werden, wird mehr geteilt. Vertrauen entsteht Schritt für Schritt – auch das lässt sich gut auf Teams übertragen.

5. Das Spiel ist der Anlass – das Lernen passiert im Gespräch danach

Das ist für mich der Kern von Playful Facilitation: Das Spiel schafft eine gemeinsame Erfahrung. Den eigentlichen Wert bekommt sie erst in der Reflexion. Wenn die Gruppe darüber spricht, was passiert ist, werden Muster sichtbar, die im Alltag oft unbemerkt bleiben.

Fragen, die sich dafür eignen:

  • Welche Informationen waren für eure Lösung entscheidend?
  • Wann und wie ist ein gemeinsames Verständnis entstanden?
  • Welche Perspektiven habt ihr früh berücksichtigt – und welche erst spät oder gar nicht?
  • Was hat dazu beigetragen, dass Informationen geteilt wurden – und was hat es erschwert?
  • Wo begegnet euch diese Dynamik im Team oder in Projekten?

Mein Fazit

Crazy Gathering ist ein unterhaltsames Gruppenspiel – für Familien, Freundeskreise oder Jugendgruppen genauso wie für Workshops. Für die Arbeit mit Teams finde ich es besonders wertvoll, weil es eine alltägliche Dynamik in kurzer Zeit erlebbar macht: unterschiedliche Informationen, unterschiedliche Interessen, ein gemeinsames Ziel. Und am Ende bleibt eine Frage, die weit über den Spieltisch hinausreicht: Hast du wirklich verstanden, was den anderen wichtig war?

Ähnliche Beiträge

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert